Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst (Foto: Wolfgang Weßling)
Andreas Brandhorst (Foto: © 2021 Wolfgang Weßling)

Andreas Brandhorst
*1956 in Rahden
lebt und arbeitet in Nordhorn
Website: www.andreasbrandhorst.de

Andreas Brandhorst – Autor zwischen Science Fiction und Thriller

Zu den führenden Vertretern des Science Fiction-Genres in Deutschland gehört der im Nordhorner Ortsteil Klausheide zurückgezogen lebende Autor Andreas Brandhorst. Den ersten großen Erfolg erlebte er mit dem Roman „Diamant“, dem Start der Kantaki-Saga. Sie erzählt davon, dass es der Menschheit gelungen ist, ferne Welten zu besiedeln. Die Herrschaft darüber teilen sich zwei wirtschaftliche Großmächte, das Konsortium und die Allianz. Doch feindliche Wesen bahnen sich ihren Weg zurück an die Macht: Einst in ein Zeitgefängnis verbannt, wollen die gefährlichen Temporalen die Galaxis erneut mit Krieg überziehen. Werden Menschen, Kantaki und ihre Verbündeten das Universum noch retten können? In weiteren Werken, die mehr im Thriller-Genre anzusiedeln sind, beschäftigt er sich mit Themen wie Gentechnik, Maschinenwelten und dem Wunsch nach ewigem Leben.

Inzwischen kann Andreas Brandhorst schon auf ein umfangreiches Werk zurückblicken. Wie das zu schaffen ist, verrät er in einem Gespräch. Im Gegensatz zu manchen klischeehaften Vorstellungen über das abenteuerliche Leben eines Schriftstellers macht er deutlich, dass der wirkliche Alltag ein ganz anderer ist: „Ich brauche viel Ruhe für meine Arbeit. In Italien, wo ich lange gelebt habe, war das irgendwann nicht mehr gegeben. Deswegen suchte ich in Deutschland nach einem Ort, in dem ich das passende Umfeld finde. Ich habe auf einem Immobilienportal nach einem geeigneten Haus mit Grundstück gesucht und es in Klausheide gefunden. Und nach jetzt fünf Jahren habe ich diesen Schritt nicht bereut. Ich habe den richtigen Ort auch für meine Arbeit als Autor gefunden. Hier ist die nötige Ruhe gegeben. Nichts lenkt mich ab.“

Was ihn am Genre Science Fiction interessiert, hat mit seinen ersten Leseerfahrungen zu tun. „Als Kind war ich von Raumpatrouille Orion fasziniert, und natürlich von den Perry Rhodan-Heften. Da mich Wissenschaft und insbesondere die Raumfahrt und das Weltall mit seinen rätselhaften Planeten und immer wieder neu entdeckten Universen begeistert haben, war die Leidenschaft für Science Fiction schon früh da. Ich möchte mich aber nicht auf das Genre Science Fiction reduziert sehen. Eigentlich schreibe ich im Wechsel Science Fiction und Thriller, in denen ich mich zum Beispiel mit Gentechnik und dem Wunsch nach ewigen Leben beschäftige, um nur zwei Themen zu nennen. Der Unterschied besteht darin, dass ich bei Science Fiction meiner Fantasie mehr freien Lauf lassen kann. Beim Thriller ist dagegen viel mehr Recherche nötig, um aktuelle und zukünftige technische Entwicklungen so genau zu beschreiben, dass sie auch glaubwürdig überkommen.“

Eine weitere Frage, die sich aus der früheren Tätigkeit des Übersetzers und der späteren Tätigkeit als freier Schriftsteller ergab, ging in die Richtung, wie sich der unterschiedliche Umgang mit Sprache gegenseitig beeinflusst. Brandhorst sagt, dass die Tätigkeit als Übersetzer, in der es auch darum gehe, sich in die Gedankenwelt eines anderen Autors zu versetzen, sein eigenes Schreiben kreativ beflügelt habe und er einfach auch viel gelernt habe, wie man eine Idee in einen Text übertragen könne.

Auf die Frage, wie der Arbeitsalltag eines Autors im Detail aussieht, gibt er eine klare Antwort: „Das Leben als Autor ist oft sehr einsam und verlangt viel Disziplin. Ich stehe beispielsweise jeden Morgen um 6 Uhr auf und sitze spätestens ab 7 Uhr vorm Computer, und zum Abend geht es bis 19 Uhr. Viel Recherche zu Entwicklungen in der Wissenschaft steht auf dem Programm, und dass ich jeden Tag mindestens drei bis sechs Seiten fertig geschrieben habe. Zwischendurch mache ich aber auch mal einen Spaziergang. Abends lese ich oder gucke mir wissenschaftliche Sendungen an.“

Ist auch schon ein neues Werk in Planung? Andreas Brandhorst bejaht diese Frage, will aber nicht mehr dazu sagen, außer dass es im Februar kommenden Jahres erscheint. Alles andere muss in Absprache mit dem Verlag noch geheimbleiben. „Ich kann nur sagen, dass es ein Thriller wird“, verrät er immerhin.

Und wer immer schon mal wissen wollte, was zu beachten ist, wenn man ein Autor werden will, für den hat Andreas Brandhorst auch ein paar praktische Tipps parat. Sie sind auf seiner Internetseite nachzulesen und als Unterstützung für angehende Schriftsteller gedacht. Brandhorst kann sich aber auch vorstellen, auf Anfrage im Rahmen einer Vortragsveranstaltung oder im Rahmen eines Kurses Anregungen zu geben, was Nachwuchsautoren beachten sollten, um die Idee für einen Text auch in die Realität umzusetzen.

Biografisches in eigenen Worten: „Ich bin Jahrgang 1956, in Rahden in Ostwestfalen geboren, und kenne noch die prähistorische Zeit vor Smartphones und Internet. Kaum hatte ich damals Schreiben und Lesen gelernt, ging es los mit Büchern. Ich las, was ich in die Finger bekam, und fand es wundervoll, fiktive Welten zu durchstreifen. Ich war davon so fasziniert, dass ich schon als Acht- oder Neunjähriger begann, eigene Geschichten zu verfassen. Ich las und schrieb, ich las und schrieb noch mehr, und mit 19 Jahren gelang es mir, den ersten Roman zu verkaufen. Nur wenige Jahre vergingen, und ich schaffte den Sprung zum Profi. 1984 ließ ich mich in Italien nieder und begann auch mit dem Übersetzen von Romanen, aus dem Englischen und Italienischen. Dadurch bekam ich tiefen Einblick in die Werke anderer Autoren, wodurch ich viel für meine eigene Arbeit lernen konnte. Unter anderem dieser Reifeprozess führte Jahre später zu „Diamant“, dem ersten Teil der Kantaki-Saga.“

(Text: Andreas Meistermann/April 2021)