Bernhard Kucken

Bernhard Kucken (Foto: Wolfgang Weßling)
Bernhard Kucken (Foto: © 2013 Wolfgang Weßling)


Bernhard Kucken
*1960 in Düsseldorf
lebt und arbeitet in Düsseldorf
Website: www.bekucken.de

Bernhard Kucken – Ein neuer Blick auf die Kunstgeschichte

Düsseldorf und die dortige Kunstakademie von Weltruf bilden das Lebens- und Arbeitsumfeld von Bernhard Kucken. Er wurde 1960 in Düsseldorf geboren, studierte Kunst an der Pädagogischen Hochschule Neuss und arbeitet seit 1985 freischaffend in den Bereichen Bildhauerei, Malerei und Grafik.

Zudem war er regelmäßig als Zeichenlehrer tätig; dazu kamen ab 1995 Lehraufträge an der Bauhaus-Universität Weimar. Als künstlerischer Mitarbeiter arbeitete er von 1998 bis 2003 an der Bauhaus-Universität und seit 2003 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er die Gipsbildnerei leitet.

Seit 2013 engagiert sich Bernhard Kucken in verschiedenen internationalen Kooperationsprojekten (Israel, China, Italien) mit Künstlergemeinschaften und Hochschulen. Seit 2014 ist er Mitglied in der Künstlergruppe Sculptureclub. 2019 nahm er einen Lehrauftrag an der Universität in Liaocheng, China, wahr. Seit 2020 ist er stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Künstlersonderbund in Deutschland 1990 Realismus der Gegenwart e.V.“.

In seinen Werken reflektiert Bernhard Kucken oft die Kunstgeschichte und gewinnt ihr neue Perspektiven und Fragestellungen ab.  So schuf er 2007, im Todesjahr des Künstlers Jörg Immendorff, die kleine Plastik „Jörg und Affe“, die in einer Ausstellung zu sehen war. Der Affe war das Markenzeichen der Skulpturen Immendorffs. „Ich habe viel zu tun gehabt mit Immendorff. Ich habe ihm als Leiter der Gipsbildnerei der Kunstakademie Düsseldorf viele Figuren modelliert. Damit war ich sein Affe“, erzählte Kucken in einem Gespräch. Immendorff war seit Beginn der 1980er Jahre einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart.

Wie sehr sich Kucken auch sonst mit der Kulturgeschichte beschäftigt, belegen unter anderem 32 Venusfigurinen, die er im Rahmen der schon erwähnten Ausstellung auf einem Tisch ausgebreitet hatte. „Ich habe mich mit dem Schönheits-Ideal der Frauen aus den letzten 30000 Jahren auseinandergesetzt und lade mit dieser Zusammenstellung zu einer Neubetrachtung ein“, so Kucken zu diesem Werk.

Immer wieder durchziehen die großen Werke der Kunstgeschichte, ihre Betrachtung durch das Publikum und die Kunstkritiker das Schaffen Kuckens. So schreibt Hubertus A.W.J. Lampenscherf zum sinnigerweise „abgefärbt“ genannten Projekt, das unter anderem in Düsseldorf, Köln, Bonn und Bochum zu sehen war: „Er „erzählt“ mit seinen bildsprachlichen Kommentierungen bekannter Werke von ihrem Dasein, er entwirft mit seinen bildnerischen Reflexionen Deutungsmöglichkeiten von Werken bekannter Künstler wie Delacroix, Tiepolo, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Dürer, Velasquez. Picasso, Beuys, Immendorf, Gerhard Richter und vielen mehr. Kuckens „bildsprachliche“ Kommentierungen nehmen bekannte Werke der oben erwähnten Künstler als Ausgangspunkt; sie sind bisweilen nur als eine Art „Assoziationszitat“ angedeutet, um die „Vorbilder“ zu verändern, zu variieren, zu erweitern, zu kontern. Daher sind es keine Kopien im herkömmlichen Sinne, sondern bisweilen recht eigenwillige Kreationen, die ausreichen, den gemeinten Künstler wiedererkennen zu lassen. Ebenso sind Kuckens Arbeiten nicht als Hommagen misszuverstehen, sondern als kritische Kommentare, als ein ironisches Augenzwinkern, mit dem er letztlich auch sein eigenes Selbstverständnis als Künstler thematisiert. Seine Bilder setzen einen „belesenen“ Betrachter voraus, einen Betrachter, der einen gewissen „Bilderschatz“ präsent hat, der den „Das kenn‘ ich doch irgendwoher!“-Effekt auslöst, und den Kucken damit zu einem verständigen Komplizen und Mitwisser mit ins Boot holen kann. Kuckens Werke gewinnen mit ihrer Zitierweise einerseits der Kunst neue Ansichten ab, andererseits verdeutlichen sie aber auch unsere und des Künstlers Eingebundenheit im Fluss einer immerwährenden Tradition künstlerischer Weltdeutung.“

Zuletzt war Kucken mit seinen Werken auch international in China und Israel vertreten. Auch im Lockdown-Jahr 2020 gab es noch drei Ausstellungen: „Kunst und Kaffee“ in der Galerie#23, Velbert-Langenberg, „Über den Abstand“ in der Galerie Art Engert, Eschweiler, und „Nicht ohne“ in der Galerie#23, Velbert-Langenberg.

(Text: Andreas Meistermann/Februar 2021)