Kai Havaii

Kai Havaii (Foto: Wolfgang Weßling)
Kai Havaii (Foto: © 2020 Wolfgang Weßling)



Kai Havaii
*1957 in Hagen
lebt und arbeitet in Hamburg
Website: www.die-breiten.de

Das Leben ist wild, das Leben ist breit“
(aus: „Gib mir mehr davon“ vom Album AUF EX!)

Das Zitat könnte das Lebensmotto von Kai Havaii beschreiben: Er ist sehr vielseitig und alles andere als eindimensional unterwegs. Havaii ist vor allem als Sänger der Band Extrabreit berühmt. „Hurra, hurra die Schule brennt“ war Anfang der 80er Jahre ein großer Hit. Der Song lief allerdings schon fast zwei Jahre auf den Plattentellern, als der endgültige musikalische Durchbruch durch die Neue Deutsche Welle (NDW) beschleunigt wurde. Unverhofft wurden sie zu Teenie-Stars inklusive Bravo-Titelbild. Da war dann schon das zweite Album auf dem Markt, mit deutlich düstereren Texten, die Band verstand sich in erster Linie immer als Rockband. Aber sie genossen den unerwarteten Medienrummel und den schnellen Erfolg mit ausverkauften Konzerthallen.

1992 hatte Extrabreit einen weiteren Chart-Erfolg: Zusammen mit Hildegard Knef ‎nahmen Sie den Song „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ auf und erreichten eine breite Aufmerksamkeit. Dieses Konzept wiederholten sie 1996 mit Harald Juhnke und dem Song „Nichts ist für immer“.

Kai Havaiis Zugang zur Musik wurde nach eigenem Bekunden durch den Punk ermöglicht. Die Reduktion auf wenige Akkorde und der damit verbundene Minimalismus ermöglichte es der Band, sich auch ohne musikalische Vorerfahrung textlich und musikalisch auszudrücken. Ein wesentliches Kriterium für die Authentizität war für sie der Einsatz deutscher Texte. Havaii sah es als Korrektur, als Abkehr vom Kopieren einer anderen, englischsprachigen Kultur. Dadurch ergab sich auch ein anderer Kontakt zum Publikum. Diesen Ansatz gab es vorher nur bei Ton Steine Scherben und Udo Lindenberg. Allerdings entwickelte Extrabreit einen eigenen Sprachstil, um die Texte der Metrik und der Schnelligkeit der Songs anzupassen.

Nach einer Auszeit von 12 Jahren ging Kai Havaii ein weiteres Mal mit den Musiker-Kollegen von Extrabreit ins Studio, im November 2020 erschien das Album „AUF EX“. Der Klang der Platte ist erfrischend rau und außerordentlich dynamisch, sowie es sich für „die Breiten“ gehört. Havaii genießt den langen Zusammenhalt der Band, als weiteren Höhepunkt sieht er die Auftritte auf den Open-Air-Festivals in Wacken.

Kai Havaii ist noch auf weiteren Feldern erfolgreich unterwegs: als DJ, Musikjournalist, Cartoon-Zeichner und Schriftsteller. 2007 erschien seine Autobiographie „Hart wie Marmelade“ (2007), in der er sein bewegtes Leben mit den Hoch- und Tiefphasen beschreibt. 2019 erschien der Thriller „Rubicon“, der sich sehr erfolgreich am Büchermarkt positionierte. In diesem detailreichen Roman taucht er in die militärische Welt ein. Als Wehrdienstverweigerer haben ihn die familiären Verstrickungen in zwei Weltkriege (Großvater und Vater) immer beschäftigt; zumal es Themen waren, die in der Familie nie aufgearbeitet wurden. Für den spannenden Roman hat er versucht, sich in die Psyche von Menschen hinzudenken, die in Extremsituationen versetzt werden. Ausgangspunkt dieser Überlegungen waren Einsätze der Bundeswehr im Afghanistan-Krieg und er führte für seine Recherche viele Gespräche mit zurückgekehrten Soldaten. Offensichtlich hat ihm die dreijährige Arbeit an dem Buch Spaß gemacht, da er plant, weitere Romane zu schreiben.

(Text: Jürgen Rasch)