Stefan Wellmann

Stefan Wellmann (Foto: Wolfgang Weßling)
Stefan Wellmann (Foto: © 2020 Wolfgang Weßling)




Stefan Wellmann
*1962 in Hannover
lebt und arbeitet in Osnabrück
Website: www.stefanwellmann.de


„Ich bin Deutschlands erster Flausenschreiber“

An Selbstbewusstsein fehlt es dem Osnabrücker Stefan Wellmann nicht. Der 1962 in Hannover geborene Autor bezeichnet sich als „Deutschlands erster Flausenschreiber“. Was angesichts seines Lebenslaufes auch eher etwas seltsam anmutet. Nach dem Abitur begann er eine Ausbildung als Versicherungskaufmann. Es folgten ein Jurastudium, das 1. und 2. Staatsexamen, die Tätigkeit als Leiter eines Rechtsamtes in Zeitz/Sachsen-Anhalt, der Weg in die Selbstständigkeit als Coach und aktuell das Amt des Pressesprechers und Datenschutzbeauftragten des Jobcenters Osnabrück. Kurzum eine solide bürgerliche Karriere mit faktenorientiertem Hintergrund und von Rationalität geprägt. Keine Flausen also. Eigentlich.

Was ist da schief gelaufen? Es geht das Gerücht, das schon sehr früh der Bücherwurm in ihn gefahren sei. Stefan Wellmann selbst bekennt sich als Lesejunkie mit einem Faible für Detektivgeschichten und Geschichten mit leicht surrealem Touch. Ins Laufen kam die Geschichte mit dem Schreiben schon als Teenager. So gewann er bei einem Gedichtwettbewerb einen ersten Preis. Es handelte sich dabei um eine Reiseschreibmaschine, die folgenden Gedanken auslöste: „Jetzt musst Du auch was schreiben!“

Gesagt, getan. Das erste Buch mit einer Sammlung von Gedichten und Kurzprosa erschien im zarten Alter von 17 Jahren. In einer Auflage von einem Exemplar, das er einem Freund schenkte. Dass Stefan Wellmann vielleicht „etwas schief ins Leben geraten“ ist, wie es Joachim Ringelnatz einmal über sich selbst formulierte, belegt sein Text mit dem Titel „Das Ei“, der in einer Oldenburger Literatur-Anthologie erschien. Darin berichtet er von einer Person, die plötzlich mit viereckigen Eiern konfrontiert wird, die in keinen Eierbecher passen. Schon etwas merkwürdig das Ganze.

Doch dann lief alles in „richtigen“ Bahnen. Durch die Beschäftigung mit juristischer Rhetorik und juristischen Texten im Rahmen des Studiums  bekam Stefan Wellmann Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Lyrik. „Zu redundant erschienen mir die Texte und ich stellte mir permanent die Frage: Wann kommt der Dichter auf den Punkt? Ich stellte das literarische Schreiben ein“, berichtet er in einem Zustand der kritischen Betrachtung seines kreativen Schaffens.

Das änderte sich während der schon erwähnten Tätigkeit als Leiter eines Rechtsamtes in Zeitz. Infolge noch nicht ausreichend geklärter Umstände fuhr wie von Höllenhunden gepeitscht der poetische Geist in sein Hirn und löste das Schreiben von Kurzprosa aus. Als mögliche Hintermänner des Ganzen werden in Fachkreisen Autoren wie Franz Kafka, Peter Handke, Ror Wolf und Heimito von Doderer gehandelt. Und als wenn das nicht schon genug des Ganzen gewesen wäre, kam auch die schon aus Jugendzeiten herrührende Leidenschaft für Kriminalromane wieder ins Spiel. Die nicht nur möglichen, sondern auch höchst wahrscheinlichen Hintermänner in diesem Fall: Arthur Conan Doyle, Edgar Wallace, Agatha Christie und Dorothy Sayers, um nur die Bekanntesten dieses Genres zu nennen.

Als Ergebnis dieser Einflüsse entstanden die Werke „111 Flausen“ mit Kürzestgeschichten und „Der frühe Vogel stirbt zuerst“, ein Krimi. Im „Flausenwerk“ nimmt Stefan Wellmann  beispielsweise Zeitungsnachrichten, Märchen und umgangssprachliche Begriffe unter eine von skurrilem Humor geprägte Lupe und gibt diesen neue und andere Bedeutungen oder führt sie ad absurdum wie in folgendem Text mit dem Titel „Die Rabenmutter“:

„Eine Mutter behandelte Kinder wie ihre Raben. Denn sie waren Raben. Das Jugendamt meinte, da könne man nichts machen. Rabe schlägt sich, Rabe verträgt sich, sagten sie. Die Einschaltung eines Ornithologen wurde nicht erwogen.“

Höchst dramatisch,  spannend und unterhaltsam geht es in seinem Erstlings-Krimi ans Werk. Ein Finanzamt wird ohne nachvollziehbares Motiv überfallen und zahlreiche Staatsdiener aus den verschiedensten Bereichen sind plötzlich verschwunden. Kommissar Stefan Margret (man achte auf die Namenskombination!) und seine Mitstreiter sind mit Fällen konfrontiert, die für sie Neuland sind. Keine unerhebliche Rolle in dem Krimi spielen sogenannte „Reichsbürger“, die ein gestörtes Verhältnis zur Realität haben, aber mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Stefan Wellmann hat darauf gedrängt, damit  die noch vorhandene Restauflage seines Krimis gekauft und gelesen wird.

Kurz vor der Fertigstellung stehen weitere Veröffentlichungen. Der Krimi „Andreaskreuz“ befindet sich in der Überarbeitungsphase, die Kürzestgeschichtensammlung „Flausen 2: Der Hase läuft“ ist abgeschlossen und hechelt der Drucklegung entgegen.

(Text: Andreas Meistermann/Stand: Januar 2021)