Thomas Ebers

Dr. Thomas Ebers (Foto: Wolfgang Weßling)
Dr. Thomas Ebers (Foto: © 2012 Wolfgang Weßling)



Dr. Thomas Ebers
*1964 in Nordhorn
lebt und arbeitet in Bonn
Website: www.4-2-3.de 

Dr. Thomas Ebers – Der Philosoph im Dialog

Heute gilt die Philosophie den meisten Menschen als Buch mit sieben Siegeln. Sie denken, dass es eine Sache ist, die über ihr Verständnis hinausgeht, die sich nicht begreifen lässt. Und es gibt Stimmen, die das Philosophieren komplett als Unsinn bezeichnen.

Schaut der Betrachter auf den Ursprung des Philosophierens, stellt sich die Sache anders dar. Wie Hermann Glockner in seinem Buch „Die europäische Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart“ schreibt, ist die Grundlage der Philosophie „kein bestimmter Gegenstand, sondern Verwunderung, ja Erschütterung über das Unendlich-Fragwürdige“. Und dieses Unendlich-Fragwürdige findet sich in der Welt, in der die Menschen leben, mit ihren unendlichen Erscheinungsformen. Die Reaktion ist also nicht das abstrakte Denken über die Dinge, sondern etwas Körperliches, dass jeder kennt, der vor einer Sache steht, die er nicht zu begreifen vermag. Und es ist ein natürliches Bedürfnis, etwas verstehen zu wollen. Und da beginnt das Philosophieren.

Dass von der Philosophie wie oben beschrieben so ein falsches Bild entstehen konnte, ist auf ihre akademische Entwicklung zurückzuführen. Im Laufe der Jahrhunderte ist sie zu einer Sache geworden, die fast nur in einem universitären Umfeld ver- und behandelt wird. Und das war zu ihrer Entstehungszeit anders. In diesem Zusammenhang ist an den Philosophen Sokrates zu erinnern, der als einer der Urväter des Strebens nach Erkenntnis und Weisheit gilt. Er hielt sich auf dem Marktplatz in Athen auf und suchte das Gespräch über Themen wie Tugend, Seele und Gerechtigkeit. Im Dialog sollten Fragestellungen diskutiert und Lösungsansätze gesucht werden.

Diese Gedanken führen zu dem Nordhorner Philosophen Dr. Thomas Ebers, der zwar nicht auf dem Marktplatz das Gespräch sucht, sondern eine andere Form gefunden hat: Das philosophische Café. Seit mehreren Jahren bietet es im Kloster Frenswegen Gelegenheit, über die verschiedensten Themen ins Gespräch zu kommen. Die Teilnehmer können sich nach einer kurzen Einführung in das jeweilige Thema durch Dr. Thomas Ebers, der die Veranstaltung moderiert, aktiv beteiligen.

Es gibt aber auch noch andere Formate. So führt er Gespräche über „Philosophie im Museum“, zum Beispiel in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Oder er bietet unter dem Thema „Wo leben wir wie? Orte über Orte. Gemeinsames Philosophieren über das Verweilen“ philosophische Spaziergänge im Museum Insel Hombroich in Neuss an.

Biografisches: Der 1964 in Nordhorn geborene Thomas Ebers nahm nach dem Abitur am Gymnasium Nordhorn das Studium der Philosophie, Soziologie und Religionswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn auf. 2009 wurde er dort mit der Dissertation „Schreckliche Freiheit und Verantwortung. Überlegungen zur Wiedergewinnung eines philosophischen Schuldbegriffs“ zum Dr. phil. promoviert. Neben seiner Tätigkeit in der  empirischen Forschung zu den Themen Wertewandel, Berufsforschung, Kinder- und Jugendsoziologie, gründete er im Jahr 2000 den Philosophischen Fachverlag „Schreikönig“, war von 2010 bis 2013 Mitglied der Philosophischen Bücherschau Bonn. Seit 2011 leitet Dr. Thomas Ebers das „4 2 3 Institut für angewandte Philosophie und Sozialforschung“ in Bonn. Das Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Menschen in Bezug zu seiner vielschichtigen Lebenswirklichkeit sowohl Gestaltungsspielräume als auch Orientierungspunkte zu erschließen. Für Dr. Thomas Ebers kann dieser Weg nur gelingen, wenn sich die in der Regel abstrakt denkende Philosophie über den Weg der  Sozialforschung aus ihrem Selbstbezug heraus nach außen wendet und somit gewissermaßen eine lebensnahe Erdung erfährt. Für diesen Bezug zur Lebenswirklichkeit, so der Philosoph, steht der Name des Instituts.

(Text: Andreas Meistermann/März 2021)